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Können behinderte Menschen Sex haben? (z. B. Gehbehinderte)
Ja können sie. Da ich einen Nervenerkrankung habe und alles spüre, ist das kein Problem. Bei Querschnittgelähmten ist es etwas „komplizierter“, bzw. müssen sie halt eine Viagra nehmen. Damit ist es auch möglich.
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- Klar können Menschen mit Behinderungen auch Sex haben. Warum eigentlich nicht? Neben Sex gibt es aber auch noch Zuneigung, Freundschaft und natürlich die (große) Liebe. All dies ist noch viel mehr von Bedeutung, als nur miteinander Sex zu haben. (Rollstuhlfahrer)
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Warst du schon mal verzweifelt?
Verzweifelt nicht direkt. Es gibt Phasen, da ist man mal nicht so gut drauf. Bei mir war es nach meiner Wirbelsäulenoperation. Ich konnte eine ganze Zeit nach der OP nur für ein paar Stunden am Tag sitzen und durfte kein Sport machen. Das hat sich mein Muskelschwund sehr bemerkbar gemacht. Aber sobald ich wieder Sport machen durfte und Tag für Tag etwas länger sitzen konnte, ging es auch wieder Berg auf. (Rollstuhlfahrer)
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- Ja, auch das kommt ab und zu vor. Da aber das Leben immer weiter geht. Unabhängig davon, wie es einem in diesem Moment zu Mute ist, sind auch diese Gefühle meist schnell wieder vorbei. (Erblindeter)
- Natürlich war ich auch schon verzweifelt, dass ist sicher jeder irgendwann einmal. Das bleibt einem im Leben nicht erspart. Gut ist es, wenn man in solchen Situation Menschen kennt, mit denen man darüber reden und sich auch anvertrauen kann. (Rollstuhlfahrer)
- Nein, war ich nicht. (schwerhörig)
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Wie hast du dich gefühlt, als du deine Behinderung bekommen hast und wie sind die Menschen in deinem Umfeld damit umgegangen?
Da ich mit meiner Krankheit geboren bin, kann ich das nicht beantworten. Sie war halt schon immer da. Meine Familie behandelt mich, soweit es geht, wie einen normalen Menschen und unterstützen mich in den Bereichen, wo es notwendig ist. (Rollstuhlfahrer)
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- Meine Behinderung habe ich schon als Kind bekommen und sie hat mich im Laufe des Lebens zunehmend eingeschränkt, darauf konnte ich mich einstellen. Meine Familie kennt mich nur so. Sie haben gelernt, damit umzugehen. Anderen Menschen musste ich immer erst beweisen, dass auch ich etwas leisten kann. Das war nervig, hat aber den Willen und die Entschlossenheit verstärkt, immer das Mögliche zu erreichen. (Erblindeter)
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Wie gehst du mit Vorurteilen um?
Ich bin da sehr humorvoll und mache dann gern ein Scherz darüber. Ist das Vorurteil zu „dumm“, dann wird es auch mal etwas sarkastisch. Im Anschluss kläre ich die Menschen auf. (Rollstuhlfahrer)
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- Ich selbst habe keine oder weniger Vorurteile mehr, da ich mein Gegenüber nicht sehen kann. Vorurteilen anderer begegne ich mit Offenheit und mache ihnen verständlich, dass ich nicht blöd, sondern nur blind bin. Ich ermuntere mein Gegenüber, seine Fragen an mich zu stellen und versuche, die Unwissenheit und Unsicherheit zum Umgang mit Menschen mit Einschränkungen aller Art zu erleichtern. (Erblindeter)
- Wahrscheinlich genau so, wie andere Menschen ebenso. Keiner kann sich freimachen von Vorurteilen. Dafür gibt einfach zu viele unterschiedliche Facetten der Menschen. Vorurteile baut man besten ab, in dem man miteinander ins Gespräch kommt oder noch besser, miteinander lernt und arbeitet. (Rollstuhlfahrer)
- Darüber reden hilft. (schwerhörig)
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Fühlst du dich wohl mit deiner Behinderung? Bist du glücklich?
Ja, ich fühle mich wohl mit meiner Behinderung. Allerdings weiß ich ja auch nicht, wie ich mich ohne Behinderung fühlen würde. Ich sehe die Dinge im Leben, die ich noch kann, und weiß, dass es viele Menschen gibt, die noch weniger können bzw. die allgemein im Leben leiden (Hunger, Krieg, Verfolgung). Daher versteife ich mich mit meiner Denkweise nicht auf die Dinge, die ich nicht kann, sondern bin einfach glücklich für die Sachen, die ich machen kann, und für die Möglichkeiten, die ich habe. (Rollstuhlfahrer)
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- Ja, ich bin glücklich, auch wenn es Tage gibt, an denen man seine Behinderung verflucht. Aber sie hat mich auch stark gemacht. Ich traue mir heute Sachen zu, die ich mir früher nicht zugetraut habe. (Erblindeter)
- Eine Behinderung zu haben ist eine Tatsache und diese muss man lernen zu akzeptieren, ansonsten würde ich mich nicht wohlfühlen und kann demnach auch nicht glücklich werden. Wobei Glück nur ein bestimmter Moment ist und kein Dauerzustand – dies wäre auch nicht gut, sonst würde man nie feststellen, dass es dieses Glücksgefühl geben kann. (Rollstuhlfahrer)
- Ja, ich habe mich mit ihr arrangiert. (schwerhörig)
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Wenn Sterbehilfe voll legal wäre, würde Sie diese Option in Erwägung ziehen oder mit der Behinderung weiterleben?
Für mich wäre die Sterbehilfe keine Option, da ich mein Leben für sehr lebenswert erachte. Dennoch muss ich sagen, dass sich da im gesetzlichen Rahmen etwas tun muss. Es gibt stark fortschreitende Krankheiten, bei denen die Betroffenen sehr leiden. Wenn diese Personen lange nicht mehr zufrieden sind aufgrund ihres körperlichen Leidens, dann sollten sie nicht mental noch auf die Folter gespannt werden, indem die Sterbehilfe verkompliziert wird. (Rollstuhlfahrer)
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- Sterbehilfe ist keine Option für blinde Menschen. Es gibt viele Menschen, die schlechter gestellt sind als wir. Das Leben geht weiter, wenn auch etwas anders als bei Menschen ohne Seheinschränkung.
- In meiner jetzigen aktuellen Situation wäre für mich Sterbehilfe keine Option. Es muss schon ein außergewöhnlicher Zustand entstehen, dass man darüber nachdenkt und dies auch umsetzen möchte. Auch wenn dies nicht in Frage kommt und ich mir auch nicht vorstellen kann (im Moment jedenfalls), das solche Gedanken entstehen können, so fände ich es in Ordnung, wenn es diese Möglichkeit gäbe. Außenstehende sollten so eine persönlich und nicht leicht zu treffende Entscheidung keineswegs vorverurteilen. (Rollstuhlfahrer)
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Welche Sachen verändern sich während der Behinderung?
Das kommt sehr auf die Art und Weise der Behinderung an. Ist sie gleichbleibend, also in einem gesundheitlichen Zustand, der sich nicht weiter verschlimmert, dann hat man seinen Weg und Technik wie man durch den Alltag kommt. Ist sie allerdings fortschreitend, dann muss man immer nach neuen Wegen suchen, wie zum Beispiel ein Transfer möglich ist. Bzw. ist man dann immer mehr auf fremde Hilfe angewiesen.
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- Das Hörvermögen erhält eine viel größere Bedeutung bei Erblindeten: es muss für die Orientierung im Raum trainiert werden. Der Tastsinn muss für die Orientierung im Raum und für das Auffinden von Sachen trainiert werden. Man muss sich ganz bewusst viel mehr merken, weil man die Augen zur Suche von Objekten aller Art nicht mehr zur Verfügung hat. Kochen, Wäsche waschen und pflegen, sich immer ordentlich und passend anziehen muss neu erlernt werden. Der weiße Blindenlangstock ist nun für immer das Auge, das man sprichwörtlich in der Hand hat, der Umgang mit ihm muss erlernt werden.
- Da ich persönlich von Geburt an die Behinderung habe kann ich über Veränderungen, die diesbezüglich natürlich eintreten, nichts aussagen. (Rollstuhlfahrer)
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Hat man viele Freunde als Mensch mit Behinderung?
Für Menschen mit Behinderung gilt das Gleiche, wie für Nichtbehinderte: Das heißt Freundschaften können überall entstehen. Angefangen im Kindergarten, in der Schule, beim Sport oder im Beruf bzw. bei allen möglichen Freizeitangeboten – immer dort, wo Menschen aufeinander treffen können. Die Anzahl der Freunde ist dabei gar nicht so wichtig. Wichtig ist, dass man sich auf Freunde verlassen kann. Auch wenn es nur der eine Freund sein sollte.
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- Ich habe viele Freunde. (blind)
- Ich würde sagen, dass man als Mensch mit Behinderung genauso viele Freund*innen haben kann wie ein Mensch ohne Behinderung. Allerdings kenne ich auch beeinträchtigte Menschen, die kaum Freund*innen haben. Das liegt entweder daran, dass sie keine Arbeit haben, deshalb nicht unter Menschen kommen und niemanden kennenlernen oder daran, dass sie lieber alleine zu Hause sein wollen. Ich als blinder Mensch habe genug Freund*innen. Eigentlich fast so viele wie andere, nicht beeinträchtigte Leute aus meinem Umfeld. In meinem Freundeskreis sind sowohl Menschen mit als auch Menschen ohne Beeinträchtigung.
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Wird man als Behinderter ausgeschlossen, gehänselt, beleidigt?
Ja, das kommt leider immer wieder vor. Das liegt z. B. daran, dass wir Menschen unsicher werden, sobald wir mit etwas Unbekannten umgehen müssen. Dies trifft aber nicht nur auf Menschen mit Behinderungen zu! Außerdem finden solch unschöne Dinge auch unter den Menschen mit Behinderungen statt. Da hilft nur aufeinander zuzugehen, ins Gespräch zu kommen und einander besser kennenzulernen – die Sorgen und die Freuden des anderen zu verstehen. (Rollstuhlfahrer)
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- Kommt auf den Menschen an, ob er es zulässt. (blind)
- Leider bin ich durch meine Behinderung von manchen Aktivitäten ausgeschlossen. Ich darf weder Fahrrad noch Auto fahren und gewisse Sportarten sind für mich nicht machbar. Wenn meine Freunde z. B. eine Fahrrad-Tour machen, kann ich leider nicht daran teilnehmen. Auch wenn meine Freunde mich nicht ausschließen wollen, gibt es leider Grenzen, mit denen ich mich abfinden/arrangieren muss. Auch bestimmte Berufe werde ich nie machen können. Als Kind wollte ich z. B. Feuerwehrmann werden, aber das ist leider nicht möglich. Mit Mobbing hatte ich glücklicherweise keine Probleme, aber ich kenne viele Betroffene, die aufgrund ihrer Behinderung extrem gemobbt wurden. Teilweise war es so schlimm, dass diese Personen sogar die Schule oder den Job wechseln mussten, weil die Mobbing-Vorfälle zu krass waren. Von Beleidigungen bis hin zu körperlichen Angriffen, habe ich alles schon gehört. Auch Behinderte mobben sich manchmal untereinander z. B. in (Berufs-)Förderschulen, Werkstätten oder Internaten, in denen ausschließlich behinderte Menschen lernen, arbeiten und leben. Die eigentliche Behinderung spielt dabei keine Rolle. Beleidigungen sind ein interessantes Thema. Ich werde eigentlich nie direkt wegen meiner Behinderung beleidigt, sondern immer nur für die Folgen. Niemand kommt zu mir und sagt: „Du bist doof, weil du blind bist“, sondern beleidigt mich, wenn ich z. B. auf dem Fußweg mit ihm zusammenstoße: „Bist du blind oder was?! Pass doch auf wo du hinläufst!“. (Sehbehinderung)
- Ich bin blind. Das ist meine Behinderung. Ich habe seit meiner Erblindung eigentlich nicht die Erfahrung gemacht, dass ich ausgeschlossen, gehänselt oder beleidigt wurde. Naja, zumindest in meinem Umfeld nicht. Es kam nämlich auch schonmal vor, dass mir irgendeine Person in der Fußgängerzone sagte, dass blinde Menschen in ein Heim gehören oder dass Behinderte weggesperrt werden sollten, weil sie keine vollwertigen Menschen seien. Personen, die sowas sagen, halte ich allerdings für dumm und nehme sie deshalb nicht ernst. Also fühle ich mich auch nicht beleidigt. Vielmehr habe ich Mitleid mit solchen Leuten, da sie ganz offensichtlich nicht begriffen haben, dass niemand vor einer Schwerbehinderung – sei es durch einen Autounfall, eine Erberkrankung oder durch Alterserscheinungen – sicher sein kann.
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Wenn Sie Ihre Behinderung nicht hätten, was würden Sie gerne mal machen?
Mit einem selbst gesteuerten Flugzeug (egal ob groß oder klein) einmal um die gesamte Erde fliegen. (Rollstuhlfahrer)
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- Eine der größten Einschränkungen für mich ist es, kein Auto fahren zu können. Ich würde manchmal gern in den Urlaub, schwere Einkäufe und Umzüge, Dienstreisen usw. mit dem Auto fahren können. Auch bestimmte Sportarten und Berufe kann ich wegen meiner Seheinschränkung leider nicht machen. Ich hätte früher gern American Football mit meinen Freunden gespielt und als Kind wollte ich eigentlich Feuerwehrmann oder Polizist werden, aber dafür sind meine Augen leider viel zu schlecht. (Sehbehinderter)
- Ich bin blind. Das ist meine Behinderung. Mit Ende 20/Anfang 30 bin ich aufgrund einer Erberkrankung erblindet. Bis dahin konnte ich noch sehen. In meinem sehenden Leben bin ich viel mit dem Mountainbike durch die Sächsische Schweiz gefahren. Das Fahrradfahren ist für blinde Menschen bekanntlich nicht möglich. Es sei denn, man fährt gemeinsam mit einem sehenden Menschen Tandem. Wenn ich meine Behinderung nicht mehr hätte, also wieder sehen könnte, würde ich mir zuerst ein neues Mountainbike kaufen und los geht's! Das ist mein größter Traum!
Du bist neugierig und das Thema, dass dich interessiert war noch nicht dabei? Stelle selbst eine Frage!

