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Wie erkennen blinde/sehbehinderte Menschen, dass die Wohnung geputzt werden muss?
Ja, das ist schon manchmal ärgerlich. Meistens merkt man es dann wenn es unter den Füßen knirscht oder man merkt, dass man auf etwas krümliges getreten ist. Da bleibt ein meistens nichts anders übrig als mit den Händen zu prüfen, ob etwas auf den Boden gefallen ist oder man mal Flüssigkeiten auf den Boden getropft hat. Gerade Honig, Marmelade oder Butter oder Soße sind nicht schön. Ich nehme dann meistens vorsorglich bei Krümeln einen Handfeger und Besen oder einen Lappen bzw. Küchentuch. Manchmal sehe ich auch die Flecken oder große Krümel noch. Eine Hilfe können da Familienangehörige oder auch Freunde sein. Die kann man dann fragen, habe ich alles erwischt oder muss man noch mal drüber wischen oder noch mal den Feger in die Hand nehmen.
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- Ich glaube, ich erkenne gar nicht, dass die Wohnung geputzt werden muss. Da wird man wahrscheinlich vernachlässigen, diese zu putzen. Oder man putzt regelmäßig und denkt: "Da könnte Dreck liegen." Aber eigentlich würde ich es wahrscheinlich erst erkennen, wenn es ganz schlimm wird. Sonst nicht.
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Wie orientiert sich ein blinder Mensch oder stark sehbehinderter Mensch bei der Überquerung ein nicht barrierefreien ausgebauten Fußgängerampel / oder bei einer unumgänglichen, völlig ungesicherten Querung (wenn keine Assistenz vorhanden ist)?
Bei nicht barrierefreien Ampeln (klassische Kreuzung) kann man sich über das Gehör am Verkehrsfluss orientieren. Das bedeutet wenn der Verkehr auf der parallel abgewandten Seite fließt, stehen ja auf der zu überquerenden Straße die Fahrzeuge. Das ist aber nicht ganz ungefährlich, da kann man sich auch schnell verschätzen, wenn derjenige zu spät losläuft. Da ist es immer gut, wenn jemand in der Nähe steht, der entweder Hilfe anbietet oder man selber fragt. Das Problem besteht auch bei Zebrastreifen. Wenn dort keine gekennzeichneten Leitsysteme vorhanden sind, können das Betroffenen auch nicht finden, es sei denn man hat noch ein ausreichendes Sehvermögen.
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Wie orientiert sich ein blinder Mensch oder stark sehbehinderter Mensch bei der Farbunterscheidung/Auswahl von Kleidungsstücken im Kleiderschrank (wenn keine Assistenz vorhanden ist)?
Es gibt Farberkennungsgeräte bzw. Farberkennungs-Apps für Smartphones. Diese richtet man auf das Kleidungsstück und die Farbe wird genannt.
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- Es kommt immer darauf an, wie viel Sehvermögen Sehbeeinträchtigte haben. Bei mir ist es so, dass ich noch Farben erkennen kann. Das müssen dann aber einfache klare Farben sein wie schwarz, weiß, rot oder gelb oder blau. Schwieriger wird es dann, wenn es Farben wie beige, braun orange oder türkis sind. Bei mir muss sich das klar von einander unterscheiden können. Hier können Farberkennungshilfen eine Hilfe sein oder Apps mit Farberkennung für Smartphone. Man kann sich auch die Sachen sortieren, wo man es farblich ein bisschen trennt. Aber das muss jeder für sich sich selbst festlegen, was ihm besser gefällt. Blinde Menschen nehmen meistens die Farberkennungssysteme die auch von Krankenkassen gefördert werden. Es gibt auch Workshops zu Farb- und Stilberatung.
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Wenn Sie rausgehen, haben Sie da als blinder/sehbehinderter Mensch Angst?
Ja, in einigen Situationen habe ich schon Angst, wenn ich rausgehe. Gerade bei Fahrradfahrern und E-Scooter Fahrern habe ich Angst, dass ich angefahren werde. Sie fahren auch öfters dort, wo sie eigentlich nicht fahren dürfen. An Zebrastreifen müsse normalerweise die Autos anhalten, aber das interessiert manche Fahrer nicht. Auch an der Ampel ist es mir schon öfters so gegangen, dass einfach noch jemand durchgefahren ist, obwohl für die Fußgänger grün war. Auch vor Treppen habe ich großen Respekt. Wenn sie nicht für sehbeeinträchtigte und blinde Menschen gut gekennzeichnet sind, da kann man ganz schnell die Treppe herunterstürzen.
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Träumen blinde Menschen in Farben?
Diese Frage kann ich nicht beantworten, da ich noch Farben sehen kann. Ich weiß nicht wie es bei ganz blinden Menschen ist.
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Arbeiten Sie? Wenn ja, was? (Frage an einen blinden/sehbehinderten Menschen)
Ja, ich arbeite. Ich betreue ein Netzwerk für Senioren und Menschen mit Beeinträchtigungen. Es heißt www.sachsen-senioren.de. Da arbeite ich 30 Stunden in der Woche. Weiterhin arbeite ich noch bei der BARRIEREFREIHEIT GMBH 10 Stunden pro Woche. Diese Firma gestaltet Gebäude für Menschen mit Beeinträchtigungen barrierefrei. Die stellen Türschilder, Handlaufschilder (Geländer), Leitsysteme und tastbare Raumpläne her. Am Computer arbeite ich mit einem Bildschirmleseprogramm mit Sprachausgabe, Großschrift und Brailleschrift (Punktschrift).
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Sind Sie schon seit Ihrer Kindheit blind?
Ich bin ein halbes Jahr nach meiner Geburt fast erblindet. Ich hatte eine Tumorerkrankung auf beiden Augen. Auf dem linken Auge sehe noch ungefähr 8%. Auf dem rechten Auge sehe ich gar nichts mehr. Das Auge war so stark durch den Tumor betroffen, dass das komplett entfernt werden musste. Dort trage ich ein Glasauge. Mit ca. 6 Jahren hatte ich noch grauen Star (Linseneintrübung). Ich habe ein stark eingeschränktes Gesichtsfeld. Ich kann nicht gut nach links schauen. Wenn ich dort hinschauen möchte, muss ich immer meinen Kopf drehen.
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Wie duschen Menschen, wenn sie keine Beine haben?
Im Sitzen. Es gibt Duschrollstühle und auch spezielle Sitze, die dafür gemacht sind.
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Was ist Ihr größter Traum als blinder/sehbehinderter Mensch?
Ich würde gern mal Auto fahren wollen oder allein mit dem Fahrrad fahren. Bei Konzerten und Festivals brauche ich immer Hilfe, um mich zu recht finden zu können. Ein normal sehender Mensch kann schnell Sachen erblicken, wo gibt es was zu Essen und wo ist das WC. Das würde ich gern allein machen können, wenn ich normal sehen könnte, es sei denn dass alles barrierefrei wäre. Ich würde auch gern mal Berg steigen wollen.
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